Von Klos und Buchten

Gestern war ein gemütlicher Tag. Von Whangarei ging es weiter gen Cap. Die Straßen werden je weiter ich nach Norden komme immer verkehrsärmer. Das ist zum radfahren optimal. Auch die flachen Teilstücke scheinen länger und häufiger aufzutreten. Allerdings hat dafür der Wind aufgefrischt, freue mich schon auf den Rückweg 🙂 Während die Landschaft bisher ähnlich der Allgäuer Alpen ausgesehen hat, komm ich jetzt langsam zur typischen neuseeländischen Vegetation, viel Grün, viel Wald und vor allem haufenweise Palmen und Farne. Ich habe die ersten anderen Radriesenden getroffen, zwei Kiwis, die nach Süden unterwegs waren. Auf der gestrigen Etappe bin ich am Ort Kawakawa vorbeigekommen, dort gibt es die Hundertwasser Klos zu bestaunen. Die von besagtem Künstler gestalteten öffentlichen Toiletten liegen jedoch mitten zwischen den Geschäften auf der Hauptstraße, die nebenbei bemerkt, alle den Hundertwasser Stil kopiert haben, und so fahr ich zwei mal an DER Attraktion des Ortes vorbei. Hab sie aber dann doch gefunden 😉
Nach ein paar weiteren Kilometern bin ich dann in der Bay of Islands gelandet. In Sichtweite zum Waitangivertragsschließungsgelände stelle ich mein Zelt auf. Abends geht es in das ebenfalls sehr nahe Paihia. Der Ort hat einen sehr hübschen Strand mit Blick auf ein paar Inseln und so gönne ich mir an der Promenade meine erste Portion Fish&Chips. Sie waren, wie der Franke sagt, “ned schlechd” (höchstes Lob).
Eigentlich hatte ich heute vor mal wieder zum Sonnenaufgang aufzustehen und ein paar schöne Bilder vom Strand zu machen. Also gestern abend den Wecker gestellt, hab ihn dann allerdings gar nicht gebraucht, denn der Regen und Wind hat mich vorher geweckt. Also Wecker wieder deaktiviert und weiter geschlafen. Um halb sieben hat es immer noch geregnet. Guten Mutes hab ich Frühstück gemacht, Zelt zusammen gelegt und gezwungenermaßen alles nass eingepackt, macht aber nichts, denn nach etwa 10 Stunden wir eh wieder alles ausgepackt. Bin dann nichmal nach Paihia gefahren, denn heue ist Montag und so kann ich meinen Antrag auf eine neuseeländische Steuernummer endlich bei der Post abgeben. Als ich so auf der Poststelle anstehe, fällt mir ein Mann auf, der sehr interessiert mein angeschlossenes Rad begutachtet. Wie sich herausstellt ist er auch ein deutscher Radreisender und heißt Nils. Er ist gerade vom Cape Reinga zurück und möchte wieder nach Auckland. Lustig erweise hat er ein ähnliches Rad, mit Rohloff Schaltung, Brooks Sattel und auch rote Fahrradtaschen.
Nachdem ich meinen Brief dann endlich los bekommen habe, kann ich im kostenlosen WLAN der Post nach dem Wetter schauen. Es sieht für heute nicht wirklich rosig aus und für abends ist sogar Starkregen gemeldet. Aber ab morgen soll es wieder perfekt werden und so beschließ ich relativ schnell noch in der Bay zu bleiben. Also zurück zum nahen Camping. So hab ich gemütlich Zeit unter real-Bedingungen zu üben, wie man ein Tunnelzelt bei starkem Wind aufstellt. Eigentlich ganz einfach, man legtbes längs zur Windrichtung und dann wird es von hinten nach vorne Stück für Stück aufgestellt. Dadurch hat man den Eingang auf der windabgewanten Seite und auf der Tür ist nicht ständig Druck.
Mittags gibt es dann ein ausgedehntes Mahl und der Regen hat aufgehört. Die Chance hab ich sofort genutzt und bin mit der Fähre nach Russell übergesetzt. Es ist der älteste von Europäern gegründete Ort Neuseelands. Das erste Haus stand 1841. Der Ort ist ziemlich klein und so schnell abgelaufen. Auf einen nahen Hügel kann man jedoch wandern und von dort aus hat man einen wunderschönen Blick über die Bucht. Das Wetter verleiht der Landschaft ein ganz raues Aussehen, passt irgendwie perfekt.
Morgen werde ich auf jeden Fall wieder etwas Kilometer schinden und vielleicht schaffe ich es schon bis zum 90 Mile Beach.

2 Comments

  1. Hallo Tobi,
    wenn ich Zeit habe, rufe ich gerne deinen Block auf, um zu sehen, wo du gerade bist. Das Bild vom Strand ist wirklich toll, was für eine Stimmung! Die Hundertwassersäulen haben dich sicher etwas an Zuhause erinnert, an Untereisenheim. Dort steht ja auch sowas rum. Ich kann das Gefühl unbegrenzter Freiheit gut nachempfinden, denn mir geht es auf meinen Radtouren ja auch so. Gerade wenn man alleine fährt, stellt sich schon bald dieses wunderbare Gefühl von innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und totaler Zufriedenheit ein. Man ist völlig im Reinen mit sich und der Welt. Ich wünsche dir noch viele schöne Momente “down under” und sehe immer mal wieder gerne auf deine Seiten. Good luck, take care, Johannes (der Radler aus der Nachbarschaft).

  2. Hallo Tobi,
    halt dich tapfer und grüß mir die Kiwis.
    schöne grüße sabine und werner

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