Südwärts

Ich bin mittlerweile an der Westküste unterwegs und schon ziemlich weit südlich von Cape Reinga.

20.11.15
Vor vier Tagen war ich noch ganz im Norden und bin tatsächlich um halb fünf Uhr früh aus meinem mollig warmen Schlafsack gekrochen. Es war eisig kalt, aber der umwerfende Sternenhimmel, der noch zu sehen war hat das schon mal etwas entschädigt. Nach einer kurzen Fahrt auf meinem unbeladenem Rad (jetzt schon sehr ungewohnt !) bin ich genau zur richtigen Zeit am Leuchtturm angekommen. Der Sonnenaufgang war perfekt. Der Himmel klar und ich ganz alleine. Zurück am Campground habe ich mich von Martin verabschiedet. Er hat relativ wenig Zeit um Neuseeland zu durchfahren und so geht es für ihn zur nächst größeren Stadt und dann mit dem Bus nach Auckland zurück. Ich habe noch gemütlich gefrühstückt und mich mit fast ein bisschen Wehmut von der schönen Bucht verabschiedet. Auf meinem Weg nach Süden bin ich zu den Dünen bei Te Paki gefahren. Die riesigen Sandhaufen waren super, fast wie in der Sahara. Damit kann ich jetzt sagen, Neuseeland hat alle Landschaftsformen. Auch wüstenähnliche Gebiete. An dem Tag hab ich es nach etwa 90 km wieder bis nach Pukenui geschafft, dort gibts den einzigen Supermarkt am 90 Mile Beach. Der Camping war im Ort. Zum Abendessen war Mexikanisch angesagt. Reis mit mexikanischer Soße und echten Fladen. In Neuseeland gibt es zwar kein richtges Brot, sondern nur toastähnliche Gebilde, aber für mittelamerikanische Spezialitäten sind die Kiwis wohl wieder zu haben…

21.11.15
Es war den ganzen Tag bedeckt. Auf relativ flacher Strecke ging es nach Ahipara. Das kleine verschlafene Nest liegt am Südende des langen Sandstrandes. Ich hab es schon am Mittag erreicht und mir deshalb ein gemütlich langes Essen gegönnt. Es gab zur Abwechslung mal Pasta. Danach bin ich noch ein wenig am Strand entlang gelaufen. Das eher trübe Wetter und der gelegentliche leichte Regen haben mich aber wieder ins Zelt getrieben, wo es noch ein bisschen Routenplanung zu erledigen gab.

22.11.15
Mittlerweile bin ich gemütlich unterwegs. So um die 60 km am Tag. So auch gestern. Die Strecke hat wunderschön auf einer sehr wenig befahrenen Landstraße mitten durch die neuseeländische Wildnis geführt. Ich habe viel Rückenwind und Kimme gut voran. Irgendwann führt die Straße dann aus dem hügeligen Inland heraus und verläuft entlang einem Fjord. Als ich in einen kleinen Ort komme ist man dort sehr aufgeregt, denn gerade schwimmen Wale in der Bucht. Ich hab es erst gar nicht verstanden, aber es gib tatsächlich Orcas so weit im Norden, Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Ein unglaubliches Gefühl diese Tiere in der freien Wildbahn zu erleben. Die Landstraße auf der ich mich den ganzen Tag bewegt habe wird nach ein paar weiteren Kilometern zur Sackgasse. Man muss die Fähre nehme und den Fjord queren. Als ich auf das Schiff warte, komme ich mit ein paar Maori ins Gespräch. Sie waren Muscheln sammeln und sind sehr von meinem voll bepackten Rad begeistert. Kurzerhand schenken sie mir ein paar Muscheln und schon kommt auch die Fähre. Die Überfahrt kostet mich gerade einmal $2. Dann bin ich an meinem Etappenziel Rawene. Der Ort ist schön, überall gibt es alte Kauriholz-Häuser und mittendrin einen Campground. Er liegt etwas erhöht auf einem Hügel, wodurch man einen wunderbaren Blick auf das Meer/Fjord/Bucht genießen kann. Es gibt sogar einen Pool. Ich suche mir einen Platz für mein Zelt, und wen treffe ich: Max und Pierre, die zwei Radfahrer, die ich am Cape kennengelernt habe. Es wird noch ein schöner Abend, denn wir teilen alle Spezialitäten, die wir in unseren Radtaschen finden können. Die Vorspeise gestalte ich mit den superleckeren Muscheln und Nudeln. Danach gibt es gegrillte Bratwürste (kein Vergleich zu daheim) und Ofenpommes. Zum Nachtisch gönnen wir uns Schokolade und Kekse. Einfach genial 🙂 Der Abend endet allerdings relativ früh, denn die beiden wollen am nächsten morgen weiterfahren. So ist das hält, wenn man als Radfahrer unterwegs ist. Es wird dunkel, man geht schlafen, es wird hell und man sitzt quasi schon wieder im Sattel.

23.11.15
Heute hab ich Ruhetag. Max und Pierre fahren aber los, denn Max muss unbedingt zum Zahnarzt. Nach diesem kleinen Umweg sollten sie eigentlich wieder auf meine Strecke kommen und wir sollten uns in zwei Tagen in Dagaville treffen. Ich gehe am Vormittag erst mal einkaufen. Mittags wasche  ich und entspanne im Pool. Die Sonne scheint und meine Klamotten werden schnell trocken. Zum Abendessen gibt es erneut Reis. Aber mt Fisch und einem neuseeländischen Wein. Sehr gut !!! Der Blick aus der Küche geht dabei direkt über die Bucht bei Sonnenuntergang. Traumhaft. Normalerweise haben die Zeltplätze auch immer eine Küche mit angeschlossen. So muss ich meinen Gaskocher nicht bemühen und habe nebenbei eine Verdopplung der Heizmöglichkeiten, sowie einen Toster und eben einen Ofen.
Jetzt gerade sitze ich bei einer Metalltasse Wein aus einer ehemaligen Wasserflasche vor meinem Zelt und genieße die dunkler werdende Landschaft und bin vollens zufrieden. In der Einfachheit liegt doch oft das Glück 🙂

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