Quellen, Sand, Stadt

26.11.15
Früh haben wir uns mit einem kanadischen Päarchen verquatscht und sind deshalb erst zur Mittagszeit losgekommen. Auf schön flacher Strecke ging es nach Pahi. Der Ort liegt am Meer und man zeltet direkt am Ende der Hauptstraße im “Stadtpark”. Jeder großer Campingplatz hat neben Duschen und Toiletten auch eine Küche. Diese hier ist ein Traum. Denn neben der Küchenzeile steht eine sehr, sehr weiche Couch. Wir überlegen vor uns hin, ob es nicht besser wäre hier zu schlafen.

27.11.15
Es gibt viel zu tun. Denn aufgrund einer Camping Durststrecke stehen 120 km auf dem Programm. Wir wachen ungewöhnlich früh auf und packen schnell alles zusammen. Die ersten Kilometer waren gut. Es ging auf relativ ruhigen Straßen vorran. Doch dann folgt der State Highway 1. Die 30 km bis Wellsford waren viel schlimmer, als bei letzten mal, als ich die gleiche Strecke nach Norden gefahren bin. Man hat sich wohl zu sehr an die verkehrsarmen und schönen Seitenstraßen gewöhnt … Und dann ist hier in Neuseeland wohl auch kein Rußfilter Pflicht. Die Autos und LKW verpesten die Luft, wie sie wollen. In Wellsford gab’s dafür einen Burger zu Mittag. Die ruhige Landstraße bis Helensville hat dann noch einmal ganz schön gefordert, hielt dafür aber ein paar schöne Ausblicke von hoch oben parat. Im Ort noch schnell eingekauft und ein kleines Stückchen nach Norden bis Pukenui. Dort gibt es heiße Quellen und  einen Zeltplatz, den man im Schwimmbad bucht. Es ging früh in die Federn.

28.11.15
Ruhetag. Langes Frühstück und ab ins Schwimmbad zu den heißen Quellen. (Der Eintritt war für uns Camper nur halb so teuer) Was dann folgte, kann man mit einem Kulturschock bezeichnen. Jeder, wirklich alle, von Kleinkind bis Rentner, sind in einem Becken. Alle albern rum, hier und da schwimmt einer mit Hut und Sonnenbrille. Drei Bademeister passen in jederzeitbauf, sind aber auch ganz entspannt, wenn in das 1,4 m tiefe Becken gesprungen wird. Um den Pool herum (Wassertemperatur 32°C) gibt es Pavillons aus Holz und viele Grillmöglichkeiten. Es wird viel gegessen. Ganze Großfamilien pachten eine lange Tafel für sich und schleppen Unmengen an Essbarem herbei. In einem Gebäude gibt es noch einen zweiten Pool. Auch dieser wird mit Thermalwasser erwärmt – auf mollige 40 Grad – perfekt zum relaxen. Im Dach über dem Becken ist ein großes quaderförmiges Loch durch das es reinregnet und auch Vögeln den Durchgang gewährt. In der einen Ecke der Schwimmhalle ist dann doch auch tatsächlich ein Vogelnest. Nach einigen Stunden im nassen, gehen wir zurück zu den Zelten und stellen fest, wir haben neue Nachbarn, die sich genau, wirklich genau (20 cm) neben uns gestellt haben. Nach dem Abendessen liegen wir drei dann in den Zelten und wollen eigentlich einschlafen, aber der Party von nebenan lasst das leider erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Nacht zu.

29.11.15
Jetzt haben unsre Nachbarn doch die halbe Nacht gefeiert, wie können sie nur schon wieder um sieben wach sein und die Musik aufdrehen?  Nach je zwei Tassen Kaffee sind wir wieder einigermaßen funktionstüchtig. So schnell wie die Feier Mannschaft gekommen ist, so schnell verschwindet sie auch wieder und wir können gemütlich packen. Etwa 30 km fahren wir noch zusammen, bevor ich nach Westen abbiege. Max und Pierre nehmen den Weg nach Auckland. So müssen wir uns leider trennen. Meine Strecke führt wunderschön durch einen “Nationalpark”. Nach einer langen Steigung öffnet sich der Wald plötzlich und gibt den Blick auf Auckland frei. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass man es wieder mit dem Fahrrad, aus eigener Kraft, hierher zurück geschafft hat. In schmalen Serpentinen geht es von einem weiteren Aussichtspunkt hinunter nach Piha. Der Ort ist berühmt wegen seines Surf-Strandes und dem schwarzen Sand. Ich niste mich auf Campingplatz, der den ganzen Ort ausfüllt, ein und spaziere zum Meer. Es ist wirklich traumhaft. Die Sonne scheint und ich setzte mich hin und genieße einfach. Der Sonnenuntergang ist auch perfekt und nach dem obligatorischen Reis zum Abendessen beschließe ich den Tag.

30.11.15
Heute morgen muss ich die vielen Höhenmeter von Piha weg wieder hinauf. Nach etwa einer Stunde Strampelei bin ich wieder auf 400 Hm und es geht hinab nach Auckland. Die Stadtfahrt macht überhaupt keinen Spass, aber ich schaffe es in die Nähe vom Flughafen, wo es einen netten Camping gibt. Zwar auf DOC Standard (kalte Dusche, keine Küche, kein Sofa) aber dafür billig, und das in Auckland! Nach einer kurzen Shoppingtour, ich musste meine kaputte Lenkertasche ersetzten, sitze ich jetzt neben meinem Zelt. Interessanterweise wird es hier nicht dunkel. Der bewölkte Himmel reflektiert das Licht der Großstadt um mich herum und so bleibt es dämmrig. Ich schaue den Fliegern zu und freue mich, dass ich noch fünf Monate in Neuseeland vor mir habe.

2 Comments

  1. Hallo Tobi,
    habe gerade nachgelesen, was du während der letzten Tagen so alles erlebt hast. Klingt ja phantastisch! Die super Bratwurst hätte ich jetzt auch gerne probiert :-). Du hast ja schon sehr viele interessante Leute getroffen. Freundschaften, die so entstehen, bleiben lange erhalten. Die paar Kilometer, ich glaube es waren um die 1.400 km bis an die Südspitze, schaffst du locker. Ich freue mich schon auf die Bilder, wenn du wieder zurück bist, denn was man hier so von Neuseeland zu sehen bekommt, macht richtig neugierig auf mehr. Ein bisschen mehr Wärme aus dem Süden könnten wir hier oben wirklich gut gebrauchen, denn es ist grau, nass und mal kalt und dann wieder etwas wärmer, fast Winter eben. Viel Spass auf deinen weiteren Etappen.
    Viele Grüße aus Mainfranken
    Johannes

    • Für mich geht es jetzt erst mal ganz nach Osten. Habe in Auckland nur einen kleinen Zwischenstop eingelegt, die Stadt ist zwar schön, aber Natur ist mir dann doch lieber. Ja, ich befürchte fast ich bin ein wenig zu schnell, aber zum arbeiten soll auch noch Zeit sein und das Radfahren macht so viel Spass ….
      Das Wetter ist im Moment leider auch nicht perfekt und Weihnachten existiert hier bisher nur im Supermarkt 😉

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *