Erlangen

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Das Geologische Institut befindet sich am Schlossgarten 5 in Erlangen. Es ist ein altes Gebäude mit Blick auf das ehemalige Schloss, jetzt die Verwaltung der Universität Erlangen-Nürnberg und dem Hugenottenbrunnen. Die Hugenotten (frz. Protestanten) haben sich Ende des 17. Jahrhunderts in der mittelfränkischen Stadt angesiedelt und einen ziemlichen Einfluss auf die Stadt gehabt. Es ist ein warmer Herbsttag, als ich mich auf eine Bank, gegenüber dem Institut, meinem neuen Zuhause setze. In dem alten Gebäude befinden sich Hörsäle, Labore und unsere ganz eigene Geologen-spezifische Bibliothek. Es ist Ende Oktober. Ich lehne mich in der Herbstsonne zurück und lasse die letzten Monate Revue passieren, seit ich von meinem verrückten Abenteuer zurückgekehrt bin.
Irgendwie war mein Abenteuer viel zu schnell vorbei und ehe ich mich versah, saß ich auch schon wieder im Flugzeug nach Frankfurt. Als dann ab Singapur die Flugzeugdurchsagen auch auf Deutsch waren, gab es keinen Zweifel mehr: ICH BIN AUF DEM WEG ZURÜCK.
Irgendwie war ich immer noch etwas überrascht. Es fühlte sich an, als ob ich erst letzte Woche durch das Gate in Frankfurt gegangen bin, ein riesiges Abenteuer, eine ewig lange Fahrradtour vor mir … Und jetzt? Jetzt habe ich es geschafft. Jetzt bin ich 13.001 km gefahren, bei Wind und Wetter, habe unglaublich nette Menschen getroffen und so viele Erfahrungen gesammelt. Kann ich das jetzt wirklich aufgeben? Kann ich wieder in den Alltag eintauchen? Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich es einfach ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Und so stand ich dann am Fenster der Boeing, habe der aufgehenden Sonne entgegen geschaut, die Wolken Europas sind unter mir vorbeigezogen, während ich mich immer weiter meiner alten Heimat genähert habe.
Um 6:15 ist das Flugzeug in Frankfurt gelandet. Ich habe mal wieder meinen übergroßen Karton beim Sperrgepäck abgeholt und bin kurz darauf sehr erschrocken, denn hier in Deutschland muss man tatsächlich 1€ für den Gepäckwagen zahlen … Meine Familie hat mich am Flughafen abgeholt und es gab ein freudiges Wiedersehen und ganz viel zu erzählen. Und dann ist es passiert: Ich habe mich wieder eingelebt. Natürlich war zuerst alles etwas komisch. Immer fließend Wasser, immer ein voller Kühlschrank in Reichweite, immer dieses unglaublich gute deutsche Krustenbrot. Und ehe man sich versieht, ist man wieder in etlichen seiner alten Gewohnheiten.
Man sitzt doch wieder länger am Laptop als man vorhat (und nicht nur, wegen den tausenden Bildern, die ich gemacht habe), weiß nicht mehr wann genau Sonnenaufgang und Untergang ist, es ist nämlich nicht mehr so wesentlich und das Handy wird wieder wichtiger als die Straßenkarte.
Aber ich wollte das nicht und deshalb habe ich nach Abwechslungen gesucht. Ich bin öfters mit dem Rad gefahren als sonst. Man glaubt es zwar kaum, aber ich habe mein Fahrrad nach neun Monaten nicht einfach in die Ecke gestellt, sondern es leistet immer noch schön regelmäßig seinen Dienst. Ohne Panne übrigens 😉 Und ich habe auch eine kleine Wochenendtour mit meinem Vater durch unsere schöne fränkische Heimat gemacht. Was sich allerdings auch als sehr gutes Therapiemethode herausgestellt hat, war Zugfahren. Man hat das Gefühl wieder unterwegs zu sein. Man sieht viel Neues, hat ab und zu ein Rucksack mit den ganzen Habseligkeiten dabei und trifft neue Leute. Zum Glück wohnen einige meiner Schulfreunde weiter weg. Auch Verwandtschaft lebt weiter entfernt und so bin ich in diesem Sommer 2016 außerordentlich viel Zug gefahren. Damit ich richtig ankommen kann, indem ich von Daheim weggehe 😉
Im September haben sich meine Zugfahrten nach Erlangen intensiviert, denn ich bin nun endlich zu einem Entschluss gekommen, wie es mit mir weitergehen soll: Ich werde Geowissenschaften studieren. Und da Erlangen ein gute Uni hat und nebenbei noch ein schönes Städtchen in Franken ist, werde ich hierherziehen. Die Wohnungssuche gestaltet sich aber etwas schwierig. Denn erstens ist der Wintersemesteranfang und somit sind viele Studienanfänger auf der Suche nach einer Bleibe. Zweitens ist Erlangen die Stadt der Siemensianer und die heben die Mietpreise ziemlich an. Nichtsdestotrotz habe ich zum 1. Oktober ein ZKB (Zimmer Küche Bad) gefunden und bin auch sehr bald darauf umgezogen.
Und nun, wohne ich hier. Genieße das (noch) entspannte Studentenleben, fahre viel Fahrrad – Erlangen ist die Stadt der Fahrradfahrer. Es gibt überall Radwege und wahrscheinlich kommt auf jeden Einwohner 1,5 Fahrräder – jogge auch wieder viel und klopfe mit einem Geologenhammer Minerale kaputt, um sie danach genauestens zu beschreiben.
Mittlerweile ist es buchstäblich fünf vor zwölf geworden. Gleich beginnt die Vorlesung! Ich stehe von meiner Bank auf und laufe gemütlich aus das Geologische Institut zu.
Was soll ich sagen? Life’s good!!! Das Reisen war unglaublich schön, aber etwas Stabilität und Normalität ist auch nicht zu verachten. Aber die nächste Reise kommt bestimmt 🙂
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The Geological institute is located at Schlossgarten 5 in Erlangen. It is an old building overlooking the former palace (now serving as the management facility for the University of Erlangen-Nurnberg) as well as the old, big and beautiful fountain. It is a nice, warm and colourful day in Autumn, I sit down on a bench opposite the institute, my new home. It has a bunch of lecture halls, laboratories and even a Geology-specific library. It is the middle of October, I lean back and think about my crazy adventure and the months back in Germany.
Somehow the journey went by way too fast and suddenly I found myself on the plane home. After we took off in Singapore, the announcements were in English and German. That was the moment, I knew: I WAS ON MY WAY HOME!
It was such a crazy feeling, I felt like I had boarded the plane from Frankfurt to Auckland last week and not last November. Back then, I was excited, one hell of an adventure ahead of me … and now? Now I have done it. I cycled 13.001 km through New Zealand and Australia. I met amazing people and did amazing stuff. I was cold, I was hot, I ran out of food once … Do I really want to go back to the “normal” life? Can I even go back? I don’t know. Maybe I just have to try. So there I was standing next to the window of the Boeing, looking down on the clouds beneath me, watching the sunrise and just expecting what’s to come.
The plane touched down in Frankfurt at 6:15 AM. And again, one last time, I went to the oversized luggage claim to collect my stupidly large box. But then I stopped in shock. I looked closer and it was really true, I had to pay one Euro for the trolley! Insane! It’s sooo good to be home, I thought sarcastically.
My family was waiting at the airport and gave me a big welcome. It was so great to see them again. We had a lot to talk about, as we were driving home. And then it happened. I started to get to comfortable at home. Of course at the beginning it was all really strange. There was the constant hot water, the full freezer and the bed. But then I started doing, what I’ve done before I left. For example, I worked longer on my laptop, then I intended to (and not only because of the tons of pictures I’ve taken), my mobile phone became way more important than the map and I stopped to remember the times of sunrise and sunset, which used to be essential on the road.
I didn’t want it to happen, so I tried to occupy myself differently. I went cycling more often, then last fall. And yes, I still love cycling and I still use the same bike. Still without any punctures 😉 I did a small cycle tour with my dad through the beautiful Franconia. Another nice way to feel like you are traveling, is by taking the train. You see new stuff, meet some new people and from time to time you have a backpack with all your belongings with you. A lot of my colleges from secondary school, as well as some family members moved to different cities and are spread all over the country. Therefore, I’ll remember the summer of 2016, as the one where I spend extraordinary much time in trains.
In September I made the decision to study geoscience. I enrolled at the Friedrich-Alexander University in Erlangen, a beautiful small city in Franconia. Then I started the hunt for an apartment. It was quite tricky, because a lot of other students started their studies this autumn as well and a big company (Siemens) is located in town, therefore the apartments aren’t cheap at all. But I found a nice room and on 1st of October I moved in.
Now I am officially living at one spot. Enjoy the (still) easy life of a university student and cycle a lot. Erlangen seems to be the city of cyclists. Just like Melbourne. It’s amazing. Bike lanes everywhere and probably more bicycles then cars. The right city for me 🙂
As I was looking at the colored leaves in the Schlossgarten (castle garden) I looked at my watch and noticed: It has become late. The lecture is about to start! I stand up, start walking towards the Geological Institute. I loved travelling, but a bit stability and normality is good as well.
And the next travel will come soon! For sure 😉

2 Comments

  1. Hey Toby!
    I’m happy to read your thoughts about your way back to a sedentary life. I’m not even yet in Singapore and so I have still something like 20000km to cycle before being home and sometime I start to think what next? Will see. at least you are in a city where bicycle is developed and you’ll meet some other people with the same passion hopefully. I wish you success in your studies!

    • Thanks! And enjoy the next 20.000km, you will probably figure out the plans for the future on the way. BTW, I’m always happy to read a new blogpost of yours 🙂 stay save

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